Landesmuseum: Das Forum für das was uns umtreibt


Tiefsee – der geheimnisvollste Ort der Erde und letzter großer dunkler Fleck auf unserem Planeten

Von Schwarzen Rauchern, Glaskraken, Tiefseestint, Vipernfisch und anderen großen und kleinen „Ungeheuern“

Die Tiefsee ist einer der der geheimnisvollsten Orte der Erde - weitgehend unerforscht und damit der letzten große dunkle Fleck auf unserem Planeten

In der neuen Ausstellung „Tiefsee. Leben im Dunkeln“ gehen die Besucher auf virtuelle Tauchstation: Der ca. 50 Quadratmeter große Show-Raum ist in blau und schwarz gehalten. Mit diesem neuen Teil der Dauerausstellung hat das Landesmuseum seine „Naturwelten“ mit 35 fantastischen Exponaten einer der faszinierendsten Lebensräume, die man sich kaum vorstellen kann, erweitert. Denn 70 Prozent des Blauen Planeten sind von Wasser bedeckt, 60 Prozent entfallen allein auf die Tiefsee.

 

pelagic octopod (Vitreledonella richardi) Deep Sea plankton Tiefsee Plankton Glaskrake 

Und was passiert eigentlich in dem Bereich, der 500 Meter unter der Meeresoberfläche beginnt und bei mehr als 11 000 Metern im Mariannengraben endet? Er ist nach wie vor weitgehend unerforscht. „Als Weltenmuseum haben wir nicht nur die eigenen Küsten im Visier“, so Direktorin Katja Lembke: „Da lag es nahe, uns mit dem größten Lebensraum der Welt zu befassen.“

Die Tiere in der Tiefsee haben kein leichtes Leben: Der Wasserdruck ist enorm, tonnenschwer, kein Sonnenstrahl reicht dort hinunter, es gibt keine Pflanzen und die Umgebung ist einfach nur lebensfeindlich. Und diese Unterwasserwelt ist gefährdet. Der Klimawandel bewirkt einen Ozeanwandel: Das heißt, die Meere übersäuern, die Temperatur steigt stetig an und hinzukommen noch die Tonnen von Plastikmüll. Auch dafür soll die Ausstellung sensibilisieren.

Etwas  dunkel und kühl ist es in der Ausstellung – das ist gewollt: Es ist nicht still, wie in der Tiefsee tuckern Motoren, geben die Wale Geräusche ab, rauscht das Wasser.

Schautafeln, interaktiven Stationen und eine 3-D-Animation, gebaut von Studenten der Hochschule Hannover, vertiefen das Wissen. Und eine riesige Unterstützung zu dem Thema gab es – in Form von Exponaten – vom Forschungsinstitut Geomar aus Kiel sowie finanziell vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie von der Bingo-Umweltstiftung. Knapp 80 000 Euro steuerte sie zur Ausstellung bei und die sind, wie Bingo-Geschäftsführer Karsten Behr mitteilte, „sehr gut angelegt“.

Eindrucksvoll und mit viel Liebe zum Detail ist die Ausstellung aufgebaut und zeigt eindrucksvoll, wie das Leben stets einen Weg findet – und wie die Gattung Mensch es in seiner Existenz bedroht.

Eröffnet wurde die Ausstellung mit einem tollen Familiensonntag, bei dem Groß und Klein ihren Spaß hatten und viel dazugelernt haben, wie hier beim Krakenbasteln.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe

Auch das weitere Ausstellungsprogramm für 2018 im Landesmuseum wartet mit Highlights auf:

„Romantische Blicke“ bis 24. Juni 

Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts erlebt seit einiger Zeit einen großen Aufschwung. Die Ausstellung "Romantische Blicke" ist in Zusammenarbeit mit dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen entstanden und erzählt die spannende Geschichte des Zeichnens zwischen Romantik und Realismus.

Das Kupferstichkabinett des Landesmuseums beherbergt einen bedeutenden Bestand deutscher Handzeichnungen des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn der Moderne um 1900, und damit aus jener Epoche, in der die Zeichenkunst in Deutschland die größte Aufmerksamkeit fand.

50 ausgewählte Spitzenstücke geben einen Einblick in die Geschichte und die Diversität der Zeichenkunst in Deutschland. Sowohl gattungsgeschichtlich, zeichentechnisch wie regional lassen sich typische künstlerische Leistungen der Epoche aufzeigen.

Die Zusammenarbeit mit den Göttinger Nachwuchshistorikern soll nach den Worten von Museums Direktorin Katja Lembke „frischen Wind in die Landesgalerie“ bringen.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Kunstfreunde Hannover e.V., die Tavolozza Foundation und die Wolfgang Ratjen Stiftung in Liechtenstein.

Der reich bebilderte Katalog zur Ausstellung mit 151 Seiten ist im Michael Imhof Verlag erschienen und im Museumsshop für 16,90 € erhältlich. 

„Schatzhüterin. 200 Jahre Klosterkammer“

Zum Jubiläum: Klöster öffnen ihre Schatzkammern

Erbprinz Ernst August, Museumsdirektorin Katja Lembke, Minister Björn Thümler und Klosterkammerpräsident Hans Christian Bialas eröffneten die Schau "Schatzhüterin – 200 Jahre Klosterkammer Hannover" im Landesmuseum.

Highlights unter den 170 Leihgaben: Die älteste Brille der Welt, ein vergoldeter Äbtissinnenstab und ein Porträt des Prinzregenten Georg IV. Der Vorfahre des Erbprinzen hat die Klosterkammer 1818 gegründet.

„Wir haben dafür mehr als 200 Exponate gewinnen können“, sagte Katja Lembke. „Darunter sind Leihgaben aus Frankreich und Großbritannien- und ein Porträt von Georg IV. hat uns der Vatikan ausgeliehen.“ (Bis 12. August).

So kennen wir Georg IV., zu finden im Schloss Marienburg und im Residenzmuseum Celle

Glanzlichter im Landesmuseum

Auserlesene preisgekrönte Naturfotografien 

Wie jedes Jahr setzt das Landesmuseum seine Reihe „Glanzlichter“, die Ausstellung spektakulärer Naturfotografien, fort.

Da werden die Naturfotografien aus aller Welt des Fotowettbewerbs unter dem verdienten Titel "Glanzlichter" vom 3. Juni bis 12. August zu sehen sein.

Vorjahresgewinner des »Fritz Pölking-Award«, Roberta Pagani, Italien mit "Wer hat meine Badehose?", Russland               © projekt natur & fotografie, Mara K. Fuhrmann

Und zu guter Letzt die Slevoigt-Schau

Max Slevogt. Eine Retrospektive zum 150.Geburtstag des Künstlers

Slevogt ist zusammen mit Max Liebermann und Lovis Corinth als das „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ in die Kunstgeschichte eingegangen. Den dreien hatte das Landesmuseum schon 2014 eine große Ausstellung gewidmet.

Doch Max Slevogt allein ist dort, nach den Worten des Leiters der Landesgalerie, Thomas Andratschke, zuletzt 1952 ausführlich gewürdigt worden. Gründlicher denn je dürfte diese Würdigung 2018 ausfallen, denn im Jahr seines 150. Geburtstags will das Museum von diesem außergewöhnlichen Künstler gleich 150 Werke zeigen. Und die Ausstellung ist eine von drei Slevogt-Schauen, die - außer in Hannover - auch in Saarbrücken und Mainz geplant sind. „Wir machen uns da keine Konkurrenz“, versichert Andratschke, „wir ergänzen uns.

Max Slevogt "Der Papageienmann", 1901, Landesmuseum Hannover


Neben nationalen Abstimmung greift das Landesmuseum aber auch international aus

Am 9. März startete in der Villa Bourbon in Luxemburg eine Paula-Modersohn-Becker-Schau

Eine Ausstellung, die nach den Worten von Landesmuseumschefin Katja Lembke komplett von Hannover bestückt und kuratiert wird.

Kooperationen gibt es außerdem mit Institutionen in Ägypten und Tansania. Mit dem dortigen National Museum von Tansania in Daressalam ist eine Kolonialgeschichtsfotoschau zur ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika geplant. Und im Ägyptischen Museum in Kairo soll es eine Ausstellung geben, in der etwa Resultate von Forschungen in der mittelägyptischen Grabungsstätte Tuna el-Gebel präsentiert werden. Dazu wird es nach den Worten von Katja Lembke wohl erst in 2019 kommen.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Pralles Szeneleben und eine dunkle Vergangenheit

Hannovers „teuerste Neuerwerbung“

Landesmuseum kauft Corinth-Gemälde für 650 000 Euro

Es ist ein pralles, heiteres Gemälde von Lovis Corinth, das vom Landesmuseum für 650 000 Euro angekauft wurde, es zeigt nackte Menschen, die ein rauschendes Fest feiern. Sie trinken und tanzen ausgelassen auf einer wunderschönen Wiese. Bacchus lässt grüssen! 

Stolz und glücklich: Museumsdirektorin Dr. Katja Lembke und Dr. Anette Schwandtner vom Kulturministerium.                Foto W. Feege

Die „Bacchanale“ von Lovis Corinth (1858-1925) gehört seit dem 23. Januar dem Landesmuseum. Ermöglicht wurde der Erwerb des großformatigen Gemäldes durch viele Stiftungen. Das Werk vervollständigt nun die weltgrößte Corinth-Sammlung (119 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken) des Museums und ist der teuerste Ankauf der Nachkriegszeit.  Es ist ein Bild voller kraftvoller Lebensfreude – mit einer schrecklichen Vergangenheit. Prof. Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums: „Es vereint eine helle und eine dunkle Seite, ist auch Mahnmal.“ Denn das Gemälde ist Teil der dunkelsten Geschichte Deutschlands.

Einst gehörte das Werk einer jüdischen Familie, die es während der Nazi-Zeit unter Wert verkaufen musste, um der Verfolgung zu entkommen. Alfred Michaelis Salomon ein Berliner Kaufmann machte 1936 sein gesamtes Hab und Gut zu Geld, um mit seiner Ehefrau Martha und den beiden Kindern Irmgard (27) und Horst (22) in die Niederlande zu fliehen. Als die Deutschen dann in die Niederlande einmarschierten, wurden die Kinder nach Auschwitz verbracht und sofort nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. Die Eltern wurden nach Bergen-Belsen deportiert. Alfred Michaelis Salomon stirbt zwei Monate vor der Befreiung des Lagers, nur seine Ehefrau Martha überlebt.

Das Gemälde war 1957 von der Stadt Gelsenkirchen für das Kunstmuseum von einem Galeristen gekauft worden und 2016 dann an die rechtmäßigen Erben zurückgegeben worden. Da es mehrere Erben gab, entschloss man sich, das Gemälde zu verkaufen. Über die britische Galerie Dickinson kam das vergleichsweise moderate Angebot  an das Landesmuseum Hannover.

Museums-Direktorin Prof. Katja Lembke: „Ein überaus wichtiges Bild für unsere Sammlung“, die dann verschiedene Förderer und Stifter ins Boot holte, wie die Kulturstiftung der Länder, die Ernst-von-Siemens-Stiftung, den Förderkreis der Landesgalerie, die Kunstfreunde Hannover – und auch das Kulturministerium begeisterte. Prinz Heinrich zu Hohenlohe, Repräsentant der Londoner Galerie sagte: „Ich denke, das hier ist ganz im Sinne der Erben“. Und die Erben seien überrascht gewesen, als man von deutscher Seite an sie herangetreten war – und das nach zwei Jahren Provenienzforschung. Die öffentliche Präsentation im Museum sei die erste Wahl gewesen. „Es geht hier auch darum, Geschichte erfahrbar zu machen.“

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Glanzlichter mit nach Hause nehmen

Wer noch Glanzlichter des Landesmuseums in Buchform für sich haben möchte, kann auf eine Publikation zurückgreifen: „Best of - 111 Geschichten aus dem Weltenmuseum“

Mit dieser Publikation wird erstmals wieder seit 17 Jahren ein Überblick über die Bestände gewährt.

(Sandstein-Verlag, 260 Seiten, 24 Euro) schildert die spektakulärsten Objekte aus der Sammlung des Hauses.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe