Literaturfest-Start ein absoluter Hör- und Sehgenuss

Literaturfest Niedersachsen öffnet ungewöhnliche Räume

Zur Eröffnung des 12. Literaturfestes Niedersachsen folgten rund 360 Gäste der Einladung der VGH-Stiftung in Hannover.

Nicht nur Annett Renneberg und Wanja Mues begeisterten das Publikum. Stephan Braun, der die beiden Schauspieler mit Cello-Improvisationen und Live-Elektronik begleitete, wurde vom Publikum bejubelt und es gab für die Künstler donnernden Applaus.

Unter dem Titel „Von Luftschlössern und Fabelwelten“ lasen Annett Renneberg und Wanja Mues Geschichten von Fantasie-Orten: Das Walfangschiff Pequod aus Herman Melvilles „Moby Dick“ tauchte, wenn man Fantasie hat, auf, die Wohnung des ehemaligen Jura-Studenten Raskolnikows aus Fjodor Dostojewskis „Schuld und Sühne“ stand lebendig vor Augen ebenso wie die einsame Karibik-Insel auf der Daniel Dafoes Protagonist „Robinson Crusoe“ strandete. Die von Hauke Hückstädt ersonnene Collage begeisterte das Publikum ebenso wie die  von Stephan Braun auf seinem Cello hervorgezauberten Töne.

Der Beginn des Literaturfestes war Start für weitere zwanzig spannende Veranstaltungen, die sich bis zum 24. September unter der Überschrift „Raum“ virtuellen, geheimnisvollen, unendlichen und städtischen oder ländlichen Räumen in der Literatur widmet.

Annett Renneberg, Wanja Mues und Stephan Braun, der die beiden Schauspieler mit Cello-Improvisationen und Live-Elektronik begleitete, wurden vom Publikum bejubelt.  Foto: Helge Krückeberg

Das Festival ist mit Schauspielern und Autoren an 19 Orten in Niedersachsen zu finden. Unter anderem lädt das Festival ins Wolfsburger Planetarium, wo Astronaut Gerhard Thiele und Birgitta Assheuer die Gäste in die Weiten des Weltraums mitnehmen (22. September), in Lingen Stade können Besucher mit Katrin Fröhlich, begleitet von Bajan-Spieler Jakob Neubauer, auf Raumexpedition gehen und in der Polizeiakademie Nienburg oder im Fort Kugelbake lesen Mathias Herrmann und Katharina Spiering eine spannende Collage von Heiko Postma zu geheimnisvollen Räumen. 

Ein Sprachgenuss der begeisterte und keine Wünsche offen liess

Ortserkundungen an verschiedenen Stationen der Stadt Hannover

Die einen fahren, um anzukommen, für die anderen ist der Weg das Ziel. In Kooperation mit der üstra, die in diesem Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum feiert, begibt sich das Literaturfest Niedersachsen auf einen Road-Trip der besonderen Art: Vier Busse steuern auf unterschiedlichen Routen mehrere Haltestellen an, die das hannoversche Stadtbild prägen und man erkundet somit den Raum.

In den Bussen lesen Studenten, um die Pausenräume zwischen Fahrt und Raum zu überbrücken. Justin Hibbeler, der die rote Linie betreut, rezitiert „Ich klau dir eine Straßenbahn“.

Welche Buslinie auch immer gewählt wurde, die Gäste waren von den Studierenden überwältigt, die sie literarisch oder musikalisch betreuten. Geführt wurde durch den Straßenraum, um dann in der Tiefe des Raumes, der ersten Station, in der 96-Akademie zu landen. Hier liest die Literatur-Entdeckung  Philipp Winkler aus seinem Roman „Hool“, der auch schon den Weg auf die Schauspielbühne geschafft hat (Premiere am 23. September im Schauspielhaus Hannover).

Von der Akademie geht es weiter in den Naturraum Eilenriede. Rainer Frank erwartet seine Zuhörer schon ungeduldig, um dann Auszüge aus Calvinos „Baron auf den Bäumen“ vorzutragen – auch hier schon in dem passenden Ambiente begeisterte Zuhörer.

Die nächste Station ist die Christuskirche, wo Sonja Beißwenger und Dorothy L. Sayers aus „Der Glocken Schlag“ lesen. Hier geht es um akustische Unbillen des Sakralraums.

Für zwei „Reisegruppen war statt Christuskirche die Lesung „Kometenjäger“ in der Volkssternwarte mit Blick in das Planetarium auf dem Lindener Berg angesagt.

Und dann geht die Fahrt mit kleinen Umwegen wieder zurück zum Rathaus. Hier wartete das Highlight des Abends auf  die „Reisenden“: Ulrich Pleitgen. Er las wie die Autoren Tucholsky und Schwitters, Jerome, Twain und Löns wohl ihre Texte zu ihren Eindrücken von und Erlebnissen in Hannover vorgetragen hätten – und vor allem ging es um den Sprachraum Hannover, wo doch das raanste Hochdeutsch gesprochen wird! Und der Schauspieler nahm sein begeistertes Publikum mit in den janz besonders raaanen Sprachraum. Dazu spielte das wunderbare Hervé Jeanne Trio.

Ein fantastischer Nachmittag und Abend, immerhin waren es fünf wunderbare Stunden, mit fantastischen Schauspiel-Studenten und Vorlesern und einem reizenden und mitreissenden Ulrich Pleitgen.

Ulrich Pleitgen und das Hervé Jeanne Trio - das passte!                       Foto Sigrid Lappe

Am 24. September klingt das Festival in Celle mit „Stadt(t)räume“ - einer literarisch-räumlichen Erkundungstour aus (ab 14.30 Uhr im Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon). Die Autoren Sabrina Janesch, Ursula Krechel, David Wagner u.a. entführen die Gäste an außergewöhnliche Orte in der Celler Innenstadt.

 

Friedrich von Lenthe (Foto), Vorsitzender des Vorstandes der VGH-Stiftung, betonte anlässlich der Eröffnung: „Das Literaturfest Niedersachsen ist ein fester Baustein des Förderprogramms der VGH-Stiftung. Mit dem Festival bereichern wir die Literaturszene Niedersachsens und ermöglichen unseren örtlichen Partnern Veranstaltungen, die sie ohne das Literaturfest Niedersachsen nicht verwirklichen könnten.“

Staatssekretärin Andrea Hoops sagte anlässlich des der Eröffnung des Literaturfestes Niedersachsen: „In mittlerweile über zehn Jahren hat sich das Literaturfest Niedersachsen zu einer echten Größe entwickelt. Es ist aus der niedersächsischen Kulturszene nicht mehr wegzudenken. Das ist ein großer Verdienst des beständigen Engagements der VGH-Stiftung, namentlich der Stiftungsdirektorin Dr. Sabine Schormann und natürlich der Intendantin dieses Literaturfestes, Susane Mamzed, und ihrem Team. Dafür ein großes Kompliment und ein herzlicher Dank!“

Das Literaturfest wird von der VGH-Stiftung in Zusammenarbeit mit den VGH Regionaldirektionen und Mitveranstaltern vor Ort veranstaltet.

NDR Kultur begleitet das Literaturfest Niedersachsen als Kulturpartner.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe