Eine Attraktion mit viel Programm

Im Deutschen Karikatur-Museum reist man durch eine tolle Welt

Es macht immer wieder große Freude, das Wilhelm Busch-Museum zu besuchen – und mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht verlässt der Besucher diese wunderbare Institution Museum

Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein

Die wundersame Welt der „Zahmen Viecher & wilde Bestien"

Plakatmotiv: Günter Kunert: Für Marianne, 1971 © Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

Tierische Karikaturen und große Ehrung für Fritz Wolf im Museum Wilhelm Busch zu sehen

Mit „Zahme Viecher & wilde Bestien“ wird die wunderbare Welt der Tiere im Reich der Karikatur  gezeigt. Eine Super-Schau mit 220 Bildern von 68 Künstlern, von 1800 bis heute – diese Ausstellung gestattet nicht nur ein Überblick darüber, wie Humoristen immer wieder das Verhältnis von Mensch und Tier komisch und kritisch betrachten, sondern auch über die Geschichte der Zeichenkunst. Außerdem sind die Ausstellungen immer wieder ein weiterer Beleg des kapitalen Fundus des Museum Wilhelm Busch, Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst, aus dem der größte Teil des Gezeigten stammt: „Vieles war noch nie zu sehen“, sagt Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow, die mit ihrer geschätzten Kollegin Ruth Brunnengraber-Malottke, die Ausstellung konzipierte.

„Das Tier ist der Spiegel des Menschen“, sagt Museumsdirektorin Vetter-Liebenow. „Es zeigt unsere Schwächen, Eitelkeiten und Fehler – und gerne mal mehr Ähnlichkeiten, als uns lieb ist.“

Einsamkeit und Zweisamkeit: Wolf-Rüdiger Marundes Schweine bewundern im siebten Himmel die „Arschwolken“ und Ronald Searles Vogel, der eckige Eier legt, spürt den Preis des Andersseins. Im Zentrum der Ausstellung "Zahme Viecher & wilde Bestien" im Museum Wilhelm Busch steht Marundes „Arschwolken.

 

Ronald Searle: The Square Egg, 1966 © Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Dauerleihgabe der Stiftung Niedersachsen

Die reichhaltig ausgestattete Ausstellung ist in sechs Kapitel unterteilt.

Da ist zu sehen, wie man sich bereits im 19. Jahrhundert über die Ähnlichkeit mancher Zeitgenossen mit dem lieben Vieh amüsierte, wie zum Beispiel mit den Wappentieren der Völker - vom gallischen Hahn über den englischen Löwen bis hin zu unserem Bundesadler, alles vorhanden – und als nationale Sinnbilder wurden sie in der Karikatur verwendet. Und  auch die Politik spielt eine Rolle im tierischen Reigen – daran erinnern „Die roten Strolche“ aus den 90ern, die mit „Ziege“ Rudolf Scharping und der damaligen SPD-Führung gemeine Fabeln in der „Titanic“ erzählten. 

Es sind große Namen vertreten: Da schwingt zum Beispiel bei Ernst Kahl das zutiefst erboste Federvieh die „Gänsekeule“, Toni Ungerer steckt einen eitlen Mandrill in Stöckelschuhe und Strapse und F.K. Waechters berühmte Gans hadert einmal mehr „Wahrscheinlich guckt  wieder kein Schwein“ – und das wird einfach widerlegt. Das ist doch wirklich Klasse.

Wenn der Mensch auf die Tiere schaut, erkennt er sich selbst: das war wohl schon immer so und wird hier überdeutlich, in dieser wunderschön konzipierten Ausstellung.

Fritz Wolf – ein Überblick über ein Lebenswerk

Eine Reise durch die bundesdeutsche Geschichte bietet die Ausstellung in der Ensmann-Galerie des Museums, die gleichzeitig bis 21. Mai gezeigt wird: Sie ist dem Karikaturisten Fritz Wolf (1918-2002) gewidmet, der im Mai diesen Jahres 100. Geburtstag feiern würde – von Adenauer bis Merkel begleitet er das politische Geschehen der Bundesrepublik Deutschland.

Pikant der Brief, den Konrad Adenauer am 28. August an den Uwe Breker-Verlag, Köln, schickte: „Ihren Karikaturenband‚ 'Adenauer, M Sein Leben‘ finde ich recht wenig gut“, und „ich behalte mir vor, Schritte gegen die Verbreitung einer solchen Persiflage zu tun.

 

Zu den Ausstellungen werden Veranstaltungen wie Führungen und Workshops angeboten. 

Außerdem ist das Krokodiltheater mit „Frau Meier, die Amsel, einem Figurentheater nach dem Kinderbuch von Wolf Erlbruch am 15. Mai zu Gast. (www.karikatur-museum.de)

Am 16. Mai, 16 Uhr: Mittwochsführung durch die Ausstellung »Harald Kretzschmar. Zeichner und Sammler«. Ohne Anmeldung. 3 € zzgl. Museumseintritt  www.karikatur-museum.de

Im Kinderkabinett auf der Sammlungsebene können Kinder ihren Spaß haben mit Lesen, Stöbern und Staunen!

 

Harald Kretzschmar: Zeichner und Sammler

Harald Kretzschmar (*1931) ist ein profilierter Vertreter der ostdeutschen Karikatur und insbesondere für seine Porträtzeichnungen bekannt. Begleitend zu seinem über 60-jährigen Schaffen hat er eine Sammlung historischer Karikaturen gesammelt und sich in einem zeichnerischen Dialog auch damit auseinandergesetzt. Die Ausstellung gibt mit 89 Blättern einen Einblick in dieses Lebenswerk.

Der heute 87-Jährige veröffentlichte seine ersten Karikaturen in der Leipziger Volkszeitung, zeichnete rund 35 Jahre für die satirische Zeitschrift Eulenspiegel und engagierte sich im Verband Bildender Künstler der DDR für die Karikatur. Schon früh begann er seine Laufbahn als Karikaturist: Mit 13 Jahren zeichnete er seine erste Hitler-Karikatur! Das war 1944.

 

Harald Kretzschmar: Selbstporträt (1999)

 Ob Erich Mielke, Janosch, Loriot, F. K. Waechter oder Ronald Searle – viele bekannte Zeitgenossen hat er seitdem porträtiert. Er arbeitet freischaffend, fertigt Porträtzeichnungen von populären und unbekannten Menschen. So finden wir auch Zeichnungen in TV-Beilagen der HAZ und NP.

Die aus seiner Sammlung historischer Karikaturen für die Ausstellung ausgewählten Blätter französischer Karikaturisten wie Honoré Daumier oder Leopold Boilly sowie von Künstlern der revolutionären Zeit um 1848 übereignet Harald Kretzschmar dem Museum als Schenkung.

Die sehenswerte Zeitschau ist bis 1. Juli 2018 im oberen Geschoß in der Nähe auch zu Wilhelm Buschs malerischen und zeichnerischen Werken zu sehen.

Ein schöner Tag im und am Museum

Sie finden, das Wetter sei zu schön für einen Museumsbesuch? Der Palaisgarten wartet auf Sonnenhungrige in und Frischluftfreudige!

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha.