„Marilyn“ - das Leben einer Ikone des 20. Jahrhunderts im Schnelldurchlauf

Ballettchef Jörg Mannes entführt in seiner Choreografie in die Welt des schönen Scheins

Schön, reich und berühmt: Wer würde nicht diese Attribute wählen, wenn drei Wünsche gewährt würden? Aus dem nichtssagenden, pummeligen dunkelhaarigen Teenager Norma Jeane Baker machte die Traumfabrik Hollywood „Marilyn Monroe“ zu einem Weltstar.

In seiner Choreografie „Marilyn“ entführt Ballettchef Jörg Mannes in die Welt des schönen Scheins. Um ganz oben im Filmgeschäft zu stehen, gilt es, das irdische Ich wie eine Schlangenhaut abzustreifen. Die Monroe bekannte einmal: „Geld interessiert mich nicht, ich möchte nur wunderbar sein.“

Die ehrgeizige Perfektionistin Marilyn (Giada Zanotti) liefert sich einen Kampf mit Norma Jeane (Catherine Franco), die eine äußerst harte Kindheit ohne Aufmerksamkeit und Liebe durchlebt hat.

Typisch Marilyn: Sexsymbol und Ikone des 20. Jahrhunderts. © Gert Weigelt

Mannes betrachtet das Phänomen des glamourösen Aufstiegs der Monroe zum Superstar aus der jetzigen Zeit heraus, in der ein erbittertes Ringen um das Wahrgenommen herrscht.

Die beiden Frauen agieren synchron oder bringen sich einfach gegenseitig zu Fall. Das Ringen miteinander geschieht sanft und lässt es zuweilen nach Umarmungen aussehen… Doch am Ende triumphiert Marilyn und stellt ihren Fuß auf den Brustkorb auf der am Boden liegenden Norma Jeane. Und damit ist die Vergangenheit erst einmal besiegt. Zu dieser Szene wird das vielschichtige  und vielsagende Duett von der bittersüßen Titelmelodie aus dem Film „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, der auf der Biografie des Physikers Stephen Hawking basiert.

Mannes zeichnet ein vielschichtiges Bild der Diva. Und bringt dabei die Magie der Monroe und ihre ungeheure Lebenslust zum Ausdruck wie auch ihre dunklen Seiten ihres Wesens. Mannes versteht es, den Zeitgeist der Fifties wieder aufleben zu lassen. Er kreiert mit den heutigen technischen und aktuellen Möglichkeiten – ein Wechselspiel von heute mit dem Flair von gestern. Marilyn Monroe schaffte vor mehr als einem halben Jahrhundert das, was sich Millionen erhoffen: Weltweite Medienpräsenz.

Bisher ist es keinem Autor oder Künstler gelungen, dem Rätsel Marilyn Monroe auf die Spur zu kommen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Monroe zum Ende selber nicht mehr wusste, wer sie überhaupt war. Das soll sicherlich die Botschaft des Stückes sein, das vor allem von der tänzerisch überzeugenden Leistung von GiadarZanotti zeugt. Sie gehört seit drei Jahren dem Staatsballett an, als Marilyn tanzt sie erstmals eine Titelrolle. Obwohl die platinblonde Perücke und die etwas zu grellen Kleider (Kostüme: Alexandra Pitz)  überzeichnet sind, gelingt ihr der Spagat zwischen Venusfalle und einem totalen Psychowrack einfach fantastisch. Ihre theatralisch sparsam eingesetzten Gesten, ihr Hüftschwung und der unverwechselbare Schmollmund überzeugen.

Der berühmte Auftritt der Monroe über dem U-Bahn-Luftschacht mit dem hochwehenden weißen Kleid thematisiert Mannes. Denn gleich mehrere in helle Plisseefaltenröcke gekleidete Marilyn-Darstellerinnen umtanzen zusammen mit Zanotti eine monströse vom Boden bis zur Decke reichende Pappkonstruktion, die Marilyns nackte Beine zeigt, aber nicht ihren Oberkörper. Marilyns Ehemann Joe DiMaggio (leidenschaftlich getanzt von Denis Piza) taucht zur rechten Zeit auf, bevor es ins Lächerliche abgleitet, ein spannendes Duett.

Nach der Pause widmet sich Mannes dem Höhepunkt von Marilyn Monroes Berühmtheit und ihrem damit verbundenen unweigerlichen tiefen Fall. Mannes vertraut voll und ganz auf die Effekte von Bühnen- und Videotechnik in diesem Segment.

Kurz und bündig wird die Ehe zwischen der Monroe und dem Dramatiker Arthur Miller (Orazio Di Bella) abgehandelt. Von einer den gesamten Bühnenhintergrund (von Florian Parbs gestaltet) einnehmenden Projektion (Philipp Contag-Lada), einem nächtlichen Hochhausmeer wird Alles überschattet. Etwas gespenstisch – aber sehr interessant.

Nur kurze Zeit später tut sich auf der Bühne eine riesige weiße Flügeltür auf und zu sehen ist im Hintergrund eine US-Flagge die als Hinweis dient, auf das pikante Verhältnis zu den Kennedy-Brüdern (Conal Francis, Martin und Davide Sioni). Die Dreiecksgeschichte ist allgemein bekannt - wird aber ebenfalls im Schnelldurchgang getanzt, in der Zanotti wie ein Spielball hin- und hergeworfen wird. Dann folgt Marilyns träges Geburtstagsständchen für den Präsidenten. Jackie Kennedy (Lilit Hakobyan) tanzt nur auf einem Stöckelschuh. Kurzzeitig aus der Bahn geworfen, findet sie schnell wieder ins Rampenlicht zurück.

Für Marilyn Monroe allerdings gehen die Scheinwerfer für immer aus. Sie hat es satt, die stetige Selbstinszenierung ihrer Person. Zanottis Marilyn stirbt an einer totalen Erschöpfung.

Die Besucher der Staatsoper Hannover feierten mit lang anhaltendem Beifall die Aufführung.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lape


„Der Besuch“ Ballett von Jörg Mannes

Geld regiert die Welt – nach Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“

Rache, ja Rache will Claire Zachanassian. Jetzt, wo sie die reichste Frau der Welt ist,  verspricht sie ihrem ehemaligen Heimatort, der vor dem finanziellen Bankrott steht, eine neue Blüte. Als Tribut fordert sie den Tod ihres einstigen Geliebten… Denn Claire ist von der Käuflichkeit der Menschen überzeugt – und Recht soll sie behalten: Es beginnt eine erbarmungslose Hetzjagd auf ihren früheren Geliebten. Alle, aber auch alle Bürger ihres ehemaligen Heimatortes machen sich schuldig. Als alles erledigt ist, zahlt die Auftraggeberin und reist wieder ab.Mit Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie „Der Besuch der alten Dame“ gelang Ballettdirektor Jörg Mannes für das Ballett eine großartige Inszenierung. Denn dieser Besuch berührt und unterhält mit aufsehenderregenden Bildern sowie einem träumerisch wie darstellerisch beeindruckendem Ensemble.

Vorstellung in dieser Saison in der Staatsoper Hannover am 15. Juni, 19.30 Uhr.

Der Clou: Eine Karte kaufen und eine zweite Person kann mit in die Vorstellung gehen.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe

Ein Besuch mit fatalen Folgen als Ballett

Geld regiert die Welt – nach Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“

Rache, ja Rache will Claire Zachanassian. Jetzt, wo sie die reichste Frau der Welt ist,  verspricht sie ihrem ehemaligen Heimatort, der vor dem finanziellen Bankrott steht, eine neue Blüte. Als Tribut fordert sie den Tod ihres einstigen Geliebten… Denn Claire ist von der Käuflichkeit der Menschen überzeugt – und Recht soll sie behalten: Es beginnt eine erbarmungslose Hetzjagd auf ihren früheren Geliebten. Alle, aber auch alle Bürger ihres ehemaligen Heimatortes machen sich schuldig. Als alles erledigt ist, zahlt die Auftraggeberin und reist wieder ab. Mit Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie „Der Besuch der alten Dame“ gelang Ballettdirektor Jörg Mannes für das Ballett eine großartige Inszenierung. Denn dieser Besuch berührt und unterhält mit aufsehenderregenden Bildern sowie einem träumerisch wie darstellerisch beeindruckendem Ensemble.

Vorstellung in dieser Saison in der Staatsoper Hannover am 15. Juni, 19.30 Uhr.

Der Clou: Eine Karte kaufen und eine zweite Person kann mit in die Vorstellung gehen.

Video Youtube: https://youtu.be/gI2_P4gP6PY

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


„Die verkaufte Braut“ in einer Inszenierung von Martin G. Berger

Wiederaufnahme der Oper in Hannover 

In seiner Inszenierung von Smetanas Singspiel „Die verkaufte Braut“ simuliert Regisseur Martin G. Berger die Ausgangssituation wie folgt: Es gibt kein Geld für die Aufführung und aus diesem Grund muss ein externer Veranstalter gewonnen werden. Der übernimmt die Aufgabe aber nur, wenn er seine Produkte, nämlich Gefühle, allen voran das Heimatgefühl, auch bewerben darf.

 

Die nächsten Aufführungen: am 12., 20. (einmal zahlen und zu zweit in die Oper gehen) und 27. Mai, 1. und 26. Juni (auch hier 2 : 1). Karten kosten zwischen 20 und 48 Euro.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Jetzt lassen sie es noch einmal so richtig krachen

Letzte Spielzeit für Michael Klügl mit ganz großen Opern und einem Stück für eine App

Mit Freude, viel Elan – von Abschied ist nichts zu spüren. Das ist jetzt die letzte Spielzeit der Ära-Michael Klügl (Foto) und der Intendant will es noch einmal so richtig krachen lassen und zeigen, was die Staatsoper Hannover so drauf hat.

 

Und mit „Tristan und Isolde“ (16. September) geht es schon los. Wagners anspruchsvolles Liebesdrama  als „wuchtige, tolle Sache“ von Klügl tituliert, hat für die Regie den Briten Stephen Langridge ins Opernboot geholt.

 

Weiter geht es mit dem nächsten Liebesrausch der Saison. „Die Gezeichneten“ ( 6. April 2019) sein. Franz Schrekers schwer zu spielende Eros Oper, die sich um Fantasiewelten, verführte und missbrauchte Frauen handelt. Hierzu meint Klügl: „Ein Wunderwerk des Orchesters.“ Und das gilt dann auch nicht weniger für „Fausts Verdammnis“ (16. Februar 2019) von Hector Berlioz – die die französische Filmemacherin Marie-Eve Signeyrole auf die Bretter der Oper Hannover bringt.

Und mit digitaler Opernkultur endet dann auch die Spielzeit am 29. Juni mit einer „Partizipativen App-Oper“ mit dem entsprechenden Titel „Unterwelt“ (29. Juni 2019). Es ist noch nicht so ganz klar, was das eigentlich wird, denn daran wird in diesem Jahr gearbeitet – zusammen mit dem Musik-Zentrum. Dabei geht es um den Orpheus-Mythos – an dem per Smartphone oder Tablet gearbeitet wird.

Angerichtet ist noch nicht alles an der Staatsoper Hannover: Jacques Offenbachs heiterer “König Karotte“ (4. November) lässt einfach das Gemüse die Macht übernehmen. Das kann nur Karottig werden… Neutöner Manfred Trojahn hat mit „Was ihr wollt“ (8. Dezember) eine heitere bis wolkige Oper geschrieben. Und ins Barocke geht es mit Monteverdis „Die Krönung der Poppea“ (7. Juni 2019) in der Inszenierung von Starregisseur Ingo Kerkhof.

Die Besucher können sich darauf verlassen – das wird noch einmal so richtig gut. Und gut läuft auch die bisherige Saison. Zur Zeit liegt die Auslastungsquote bei fantastischen 87 Prozent. Das schlägt sich natürlich aus wirtschaftlich nieder. „Wir könnten heute aufhören, die Einnahmen reichen schon jetzt für die laufende Spielzeit“, so der Opernintendant. Was sich bewährt hat, wird es auch weiter geben, die „besonderen Opernabende“, die deutlich im Preis gesenkt wurden, statt bisher doppelten Preis nimmt die Staatsoper eine moderate Erhöhung für das Engagement von Stargästen wie Bayreuth-Star Stephen Gould (28. Oktober in „Tristan“).

Und dann wird es ernst – der eigentliche Schluss heißt dann

„Ende Spaß“ (6. Juli). In der Abschiedsgala wird sich die Staatsoper mit Ensemble, Orchester, Dirigentenein letztes Mal in der so ganz eigenen Klügl-Fassung präsentieren.

Das Scheiden tut jetzt schon weh!

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Junger Tanz bekommt in Hannover seine Chance

„Think Big“ – geht in die sechste Runde und denkt groß

Einfach groß denken und handeln -  Junger Tanz bekommt in Hannover nach wie vor seine Chance – man denkt eben groß!

Zum sechsten Mal realisieren das Ballett der Staatsoper Hannover und das Festival Tanztheater International unter dem Motto „Think Big“ die diesjährige Ausgabe des Künstlerresidenzprogramms zur Förderung junger Choreografen als Teil des Festivals.

Es herrscht Wehmut, weil die Zukunft des Projektes aufgrund des Führungswechsels an der Niedersächsischen Staatsoper zur Spielzeit 2019/2020 ungewiss ist. Stolz ist man, weil aus der langjährigen Kooperation zwischen dem Staatsballett unter der Leitung von Jörg Mannes und Festival-Chefin Christiane Winter (Foto links) eine feste Größe in Hannovers Kulturlandschaft implantiert wurde.

In diesem Jahr sind die polnische Choreografin und Tänzerin Lucyna Zwolinska (Saarbrücken), der italienische Choreograf und Tänzer Marioenrico D’Angelo (ebenfalls Saarbrücken) und der israelische Choreograf, Tänzer und Luftakrobat Yotam Peled (Berlin) dabei.

Mit den drei Stipendiaten ist Großes zu erwarten. Sie werden mit einem neunköpfigen Ensemble arbeiten und proben, für ihre, so die Vorgabe, gut 20-minütigen Kurzchoreografien. Sie werden am 1. September um 20 Uhr bei dem diesjährigen 33. Tanztheater-International-Festival vom 30. August bis 8. September uraufgeführt.

Auf die Künstler warten hervorragende Produktionsbedingungen sowie Chancen. Zwolinska, D’Angelo und Peled sind überglücklich und freuen sich auf ihre Projekte, die sie endlich unter professionellen Bedingungenrealisieren und zeigen können. Das verlangt natürlich der Oper ein besonderes Engagement ab, sagte Intendant Michael Klügl, denn die Wünsche der jungen Choreografen müssen in die eigentliche Probenarbeit- bzw. -pläne eingebaut werden.

Zu sehen sein werden drei Stücke, die sich laut Mannes „dem Tanz aus verschiedenen Richtungen nähern“: Lucyna Zwolinska, die zuletzt als Tänzerin beim Saarländischen Staatstheater engagiert war, will in ihrer Arbeit die Themen Angst und Verletzlichkeit aufgreifen. Ihr Kollege Marioenrico D’Angelo, ebenfalls lange Tänzer in Saarbrücken, hat sich vorgenommen, Stereotypes kritisch zu hinterfragen und Yotam Peled, der auch mal als Tänzer bei „Think Big“ war, widmet sich der Rave-Kultur, die sich neben Frieden und Liebe auch Einigkeit und Respekt verschreibt.

Christiane Winter hofft, dass es „Think Big“ weiter geben wird, auch unter der neuen Führungsriege von Laura Berman und Marco Goecke.

Karten für die „Think Big“- Uraufführungen sind ab Juli exklusiv bei der Vorverkaufskasse im Künstlerhaus erhältlich.

tanztheater-international.de

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


„Ein sanfter Riese“ der Jungen Oper begeistert Kinder und Erwachsene

Erzählt wird hier eine Geschichte über Ausgrenzung, Vorurteile und Toleranz

Keine Grund zur Angst vor großen Menschen: Er sieht schon ein bisschen sehr wild und mächtig aus – seine Haare sind strubbelig mit total zerfetzten Kleidern am Leib, aber mit total wachen und klugen Augen. Sein Zuhause ist die Insel im silbernen See, dort lebt der Riese ganz allein im Einklang mit der Natur. Allerdings für die Menschen im Fischerdorf, nahe seiner Insel ist der Einsiedler an allem, was geschieht schuld! Vor allem an ihren Nöten und Elend.

Die Junge Oper bringt den Einakter „Ein sanfter Riese“ von Stephen McNeff mit dem Libretto von Mike Kenny und nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Morpurgo, Kindern und Erwachsenen nahe.

Es geht um die junge Miranda (Tina Marie Herbert, Sopran), die sich nicht mit den recht einfachen Antworten ihres Vaters (Hyun-Joong Kim, Tenor) zufrieden geben will. Antworten bekommt sie, als der Riese (Gihoon Kim, Bariton) sie vor dem Ertrinken rettet und auf seine Insel bringt.

Marlene Gaßner, Hyun-Joong Kim, Yannick Spanier, Tina Marie Herbert in "Ein sanfter Riese" Thomas M. Jauk

Einfach zauberhaft, wie sich die beiden annähern. „Du stinkst!“, singt Miranda, aber als sie sieht, wie die Schwäne ihm blind vertrauen, erkennt sie seine liebevolle Art. Als der Riese Miranda gesund wieder nach Hause bringt, prallt ihm eine Welle der Ablehnung entgegen. Und dann kommt ein großer Sturm, der das ganze Dorf verwüstet, und auch noch den See verschleimt. Die Dorfbewohner können nun gar nicht mehr fischen – doch der „sanfte Riese“ hat eine brillante Idee…

Feinsinnig sind Inszenierung (Markus Michael Tschubert), Kostüme(Veronika Kaleja) und Ausstattung (Magdalene Wiesauer), und wunderbar die live gespielte Musik von fünf Musikern des Niedersächsischen Staatsorchesters. Zur Premiere war auch Stephen McNeff anwesend. Alle Akteure, waren einfach klasse. Fesselnd ihre Duette, Quartette, die Arien – wobei jede Rolle auch mal die rezitative Erzählung übernimmt.

Tina Marie Herbert als Miranda ist einfach umwerfend, schön und mit viel Gefühlt singt sie ihre Arie…kein Grund zur Angst!“. Marlene Gaßner (Mezzosopran) singt und spielt den cleveren Sternstaubverkäufer, und Hyun-Joong und Yannick Spanier (Bass) beeindrucken gleichermaßen mit starken Stimmen und Schauspiel.

Die Musik mit Harfe, Querflöte, Violoncello, Trommeln, Glockenspiel und Perkussion ist sehr lebendig, modern und äußerst melodisch, dramatisch und zu jeder Zeit spannungsvoll. Nach rund 90Minuten mit einer Pause, gibt es zum Ende der Vorstellung begeisterten Applaus. Schlicht weg gesagt, ein Erlebnis für alle.

Ab sechs Jahren, zu sehen ist „Ein sanfter Riese“ an mehreren Tagen im Mai und Juni.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe 


Das Wohnzimmer meines Lehrers

Zweisprachiger Theaterabend mit Mathias Max Herrmann ab in Cumberland

Nach dem Stück „Abrahams Kinder. Eine Reise nach Jerusalem“ von Svein Tindberg mit Rainer Frank, setzt das Schauspiel Hannover die auf persönlichen Erlebnissen eines Schauspielers beruhende Beschäftigung mit politischen Themen in dieser Spielzeit fort. Mathias Max Herrmann, ebenfalls Ensemblemitglied am Schauspiel, setzt sich in „Das Wohnzimmer meines Lehrers in einem Theaterabend in Cumberland mit der Geschichte und der Situation Israels auseinander.

Das Wohnzimmer_filmstill_2a (c) Mathias Max Herrmann

Der mit „Das Betrachten der Welt vom Privaten her“ untertitelte Theaterabend changiert zwischen Live-Performance und Videoinstallation, zwischen Deutsch und Englisch.

Mathias Max Herrmann nahm in den 1980er Jahren Schauspielunterricht bei Yoseph Millo (1917-1997), einer der prägendsten Figuren des israelischen Theaters. Mit seiner Inszenierung von „He walked through the fields“ trug Millo 1948 maßgeblich zur Identitätsbildung des israelischen Volkes bei. Das Stück, das auch verfilmt wurde, brachte ihm Ruhm und Anerkennung auch im eigenen Land. Der junge Schauspielschüler wusste jedoch nichts von der großen Bedeutung seines Lehrers.

Auslöser für die Beschäftigung mit Millo waren die medial permanent präsenten Krisen im Nahen Osten.

Herrmann hat in Vorbereitung auf den Theaterabend mehrere Wochen in Israel Filmaufnahmen gemacht und viele Interviews geführt, die für die Inszenierung eine große Rolle spielen und in diese einfließen werden.


Weitere Vorstellungen am 11. und 19. Mai sowie im Juni, Karten 25 € Tel. 0511 9999 1111, unter www.schauspielhannover.de und an den Kassen der Staatstheater.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Sigrid Lappe

 


Bob Dylan: A Changin‘

Theaterabend über Bob Dylan im Cumberland

Mit dem musikalischen Theaterabend "Dylan: A Changin‘" erweitert das Schauspiel die Liste der Neuproduktionen in dieser Spielzeit.

Am 5. Mai 2018 feierte die mit „Ein Soundtrack“ untertitelte Produktion in Cumberland Premiere. Regie führt Jonas Steglich, Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover, es spielen und singen Carolin Haupt, Sebastian Weiss, Hagen Oechel und Valentin Schroeteler. Für die Live-Musik sorgen der Musikalische Leiter des Schauspiels, Christian Decker sowie Tim Golla (Chaostage – Der Ausverkauf geht weiter!) und Christoph Keding (Der Entertainer).

 

Bob Dylan, Foto dpa                                                                                                                Jonas Steglich, Foto Katrin Ribbe

Die Idee zu einem Theaterabend über Bob Dylan kam auf, nachdem Dylan letztes Jahr den Literaturnobelpreis zugesprochen bekam. Steglich verspricht eine „collagenartige Erzählung, einen stimmungsvollen Abend, der Musik mit verschiedenen Texten verbindet. “Ich möchte den Künstler, seine Biografie und sein Werk erlebbar machen.“


Karten 25 Euro (mit Cumberland Card 12,50 Euro) unter Tel. 0511 9999 1111, unter www.schauspielhannover.de und an den Kassen der Staatstheater.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha


Freistil: Die Balljugend-Clubs feiern ihre Premieren

Sieben Clubs präsentieren ihre Stücke, Performances und epischen Abende dem Publikum.

10 Balljugend-Clubs haben für ihre Stücke, Performances und epischen Abende mit Ehrgeiz, großer Freude und Spaß geprobt, und nun sind sieben von ihnen soweit, die Ergebnisse dem Publikum zu präsentieren. Für einige Teilnehmer* innen ist es das erste Mal, dass sie Etwas auf einer professionellen Theaterbühne darstellen, andere sind „Wiederholungstäter* innen“. So verschieden wie die Gruppen, ist auch das Mai-Premieren-Programm der Balljugend-Clubs.

Lukas Günther und Julia Schöneberger verpacken in ihrer Produktion „Mit falschem Bart“ die Welt in eine Dornröschenwelt. Junge Menschen mit und ohne Behinderung fragen, was sich hinter der Dornenhecke befindet und was passiert, wenn man gar nicht wach werden möchte.

Die TheaterStückPerformance „Wer hat denn hier ich gesagt“ (Premiere 12. Mai) handelt von gelungenen Kontakten und verpassten Verbindungen. Ein Abend über Blockadeleistungen und Durchlässigkeit unter der Leitung von Swantje Möller und Mareike Sedl.

Die Frage nach der eigenen Körperlichkeit stellen Sarah Becker und Vivien Raudszus in „Käpt’n K. Ein Selbstversuch“ (Premiere 19. Mai). Führt die Beschäftigung mit dem eigenen Körper automatisch zum Selbstzweifel-Alarm oder kann man aus der Erkenntnis Kapital schlagen? Anlagen gibt es schließlich zur Genüge.

 Musikalisch wird es mit „60 BPM“ (Premiere 23. Mai). Unter der Leitung von Lena Iversen und dem musikalischen Leiter des Schauspielhauses Christian Decker untersuchen die Spieler  innen den Rhythmus ihres Lebens und loten die Grenzen der Simultanität aus.

In Kooperation mit dem Sprengel Museum erarbeitete der Balljugend-Club 8 die LecturePerformance „Wenn ich du wäre, würde ich aufgeben“, „Wenn du ich wärst, wär ich hässlich“.  Hier wird geforscht nach Rollenbildern, Bildrechten und -sprachen.

Der Balljugend-Club 2 unter der Leitung von Antonia Kritzer und Nele Leitolf untersucht mit „LEER_RAUM“ (Premiere 27. Mai) die Urbanität von Visionen und ihr Scheitern am Beispiel des Ihme-Zentrums.

„Jailhouse Dance“ Premiere 29. Mai), ein Ganoventanzstück, entstanden unter der Leitung von Silke Janssen und Lea Scholtes, bringt die dunklen Machenschaften des Knastgeschäfts ans Licht.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha


Was ist ein Act of Goodness?

Acts of Goodness - eine theatrale Studie über ein altmodisch anmutendes Konzept.

Das Stück „Acts of Goodness“ von Mattias Andersson hat am 13. Mai im Ballhof Eins Premiere (Preview am 11. Mai). Was ist Güte? Ein Akt der Selbstlosigkeit oder doch auf Eigennutz gegründet? Gibt es das Gute? Kann man eine gute Tat von ihrer - möglicherweise egoistischen - Motivation trennen?

Acts of Goodness ist eine theatrale Studie, die über ein altmodisch anmutendes Konzept Auskunft geben soll. Dazu kommen junge Menschen aus vielen Nationen und ehrenamtlich Tätiger aus Hannover und der Region zu Wort.

Das "Ensemble" des jungen Schauspiels Hannover © Schauspiel Hannover 

Die Gründe, die sie für ihr Engagement nennen, sind so verschieden wie die Befragten selbst: Sie wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben, weil es ihnen immer gut gegangen ist in ihr; sie leisten Sozialstunden ab und bleiben, weil das Ehrenamt ihrem Tag Struktur gibt. Einig sind sie sich in einem: „Gutes tun macht glücklich!“

Regie führt Brit Bartkowiak.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha


Die "Karriere" eines Hooligens

Hooligens kämpfen und verwirklichen sich auf der Bühne

Ein sperriges Gestell (Bühne: Robert Schweer) dreht sich schwerfällig, begleitet von rhythmischem Gebrüll – das läuft auf eine Prügelei hinaus. Die Hooligens von 96 um Heiko bereiten sich auf die Schlacht mit den Fans der Braunschweiger vor.  Und die Schlacht kommt!

Heiko ist Hool. Die Frage nach dem „Warum“ hat er nie gestellt. Absolut sicher ist er sich nur, dass er auf keinen Fall so leben will wie seine Familie. Sein Onkels Axel hatte ihn eingeführt in diese Art der Fußballwelt, die dem Fußball das Leben schwer macht. Schließlich ist für Heiko die Radikalität, mit der er für seinen Verein Hannover 96 kämpft, das einzige Lebenselixier. Zu dieser Familie gehört er: unter den Fahnen seines Vereins ist er Teil einer Gemeinschaft, für die er kämpfen, und an die er glauben kann. Angst vor Verletzungen hat er schon lange nicht mehr.

Einblicke in das kaputte Familienleben - wieder ein Dreh mit dem Gestell und wir hören wieder das Schlachtgebrüll.

© Katrin Ribbe

In emotionale Gefahr gerät Heiko, als die Gruppe um ihn sich aufzulösen beginnt. Denn im Gegensatz zu ihm, der an einen Ausstieg, den Übergang in ein normales Leben, keinen Gedanken verschwendet, verlassen seine Freunde nach und nach die Szene. Für sie gibt es mittlerweile Wichtigeres als den Adrenalinkick bei den Matches im Wald. Doch Heiko zieht wieder in den Kampf….

Ein phantastisches Ensemble (Nicola Fritzen, Philippe Goos, Carolin Haupt, Daniel Nerlich, Sebastian Weiss) schlüpft oder boxt sich in immer anderen Rollen nach dem Motto "Alle für Einen, Einer für Alle" durch das Stück, das ist ein fliegender Wechsel in Perfektion. 

Lars-Ole Walurg bringt den Roman von Philipp Winkler mit beeindruckender Präsenz auf die Bühne. Er zerhackt den Roman und bringt die Szenen auf das sich drehende Gestell - Heikos Leben dreht sich vor und zurück.  

Winkler, geb. 1986 in Neustadt am Rübenberge, ist Absolvent des Literaturinstituts Hildesheim. 2016 gelang ihm mit seinem Hooligan-Roman ein so vehementes Debüt, wie es das lange nicht mehr gegeben hat.

Das Buch, so die FAZ, treffe wie ein Schlag: endlich gäbe es wieder einen Roman, der von deutscher Wirklichkeit erzähle.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Kriegshelden treffen bei ihren Beutezügen auf eine archaische Anderwelt

Tom Kühnel inszeniert im Schauspielhaus „Medea – nach Grillparzer und Anderen“ 

Alles gewagt und das Publikum war vom Bühnenbild von Jo Schramm hin und weg. Ein Vorhang aus Spiegeln war auf einer großen Drehscheibe befestigt und derart präsent, wie geschaffen sich darin zu erkennen und auch zu verlieren…

An diesem Ort inszeniert Tom Kühnel „Medea“, die Kindesmörderin, als gleichermaßen historischen wie zeitgenössischen Stoff, der einen Blick auf den Kreislauf von Werden und Vergehen gestattet, ja als Zerrspiegel und Abbild unserer Zeit steht.

Im Spiegel sieht man nicht nur eine Medea sondern gleich drei.  Da ist die magische Kindfrau (Vanessa Loibl), aufgehoben als Tochter des Herrschers im Kollektiv des alten Kolchis, einer archaischen Anderwelt, in der Mord zur Eroberung des Goldenen Vlieses von dem Regisseur mit chorischem Sprechen, trachtenähnlichen Kostümen (Daniela Selig) und ritualisiertem Handeln auf Distanz aber auch nahebringt.

Und da ist eine junge Frau (Carolin Haupt), die der griechische Argonaut, ein Kriegsheld, Jason (Philippe Goos) begegnet, der sie erobern möchte, aber mehr noch das Goldene Vlies.

Medea nimmt auch den Tod ihrer eigenen Kinder in Kauf. Foto Katrin Ribbe

Zum Tanz um das Goldene Vlies dreht sich immer das Spiegelkabinett - und erlaubt auch den Blick auf eine zerbrechende moderne Kleinfamilienwelt.

Da ist die Ehefrau und Mutter (Katja Gaudard), ohne Träume und erstarrt im banalen Alltag, dieselbe, die Jason als „Wilde, als Barbarin“ übers Meer folgte und deren Mitwirkung an Tod und Mord in ihrem Umfeld im Unklaren beleibt.

Als Jason nach langer Irrfahrt mit Medea nicht als Kriegsheld aufgenommen sondern ausgeschlossen wird und in Korinth Zuflucht findet, sieht er die Schuld bei Medea und beugt sich der Forderung seines Onkels Kreon, daß Medea das Land verlassen soll. Ihrer naiven jüngeren Konkurrentin, Kreons Tochter ( Vanessa Loibl) begegnet sie anfangs unbefangen.Kühnel erzählt, wie Medea zu guter Letzt, als sie allen Seins beraubt ist, bereit ist, sich zu opfern indem sie fortgehen und Jason der Nebenbuhlerin überlassen will – aber nicht ohne ihre Kinder! Und hier kommt es zu der erschütternden Szene, die auch ihren Mord an  ihren Kindern erklärt: Diese wenden sich erschrocken von ihrer Mutter ab, als diese ihre Töchter anfleht – erst schmeichelnd, dann bittend, schließlich fordernd - mit ihr zu gehen. Jetzt ist sie nicht eine eifersüchtige Frau, sondern eine Verzweifelte, die durch den Tod der Kinder den mörderischen Kreislauf von Rache und Krieg durchbrechen will.

Mit Sinn und Verstand und mit niederschmetternder Tragik geschieht das, voller Anspielungen. Hier bezieht sich Kühnel auf Grillparzers Fassung des Stoffes „Das goldene Vlies“.

Schließlich taucht auch noch die Urfassung von Medea auf, die des Griechen Euripides, und Maria Callas – nicht jene Callas, die für Pasolini „Medea“ sang und spielte, sondern die Operndiva, die dem steinreichen Reeder Onassis erlag und ihm den Zugang in die Welt der Reichen und der Schönen eröffnete, und die, als er sie verlies, den Zauber ihrer wunderschönen Stimme verlor.

Kühnels Medea  ist nicht nur ein intellektueller Hochgenuss, sondern vor allem auch ein sinnlicher– dazu trägt das grandios aufgelegte Ensemble bei-

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Studierende: Rein ins Theater

Schauspiel Hannover führt Theaterflatrate für Studierende ein

Das Schauspiel Hannover hat die Theaterflatrate für Studierende der hannoverschen Universitäten und Hochschulen eingeführt. Die Asten und das Schauspiel haben sich auf einen Kulturbeitrag von 0,50 Euro, der über den Semesterbeitrag abgerechnet wird, geeinigt. Schauspiel-Intendant Lars-Ole Walburg und Jürgen Braasch, Kaufmännischer Geschäftsführer der Niedersächsischen Staatstheater Hannover sowie Vertreter der Asten unterzeichneten das Vertragswerk am 16. Februar 2018.

Studierende: Rein ins Theater

„Hannover hat rund 40.000 Studierende. Wir hoffen mit diesem Pilotprojekt mehr Studierende in unser Theater zu locken und zu begeistern“, sagte Lars-Ole Walburg. Johannes Teller vom Asta der Medizinischen Hochschule Hannover ergänzte, dass es seitens der Studierendenschaft bereits „riesige Vorfreude“ gebe und man auf eine „langfristige Zusammenarbeit“ hoffe.

Studierende können sich bei der beteiligten Uni und Hochschulen telefonisch unter 0511 9999 1111 oder persönlich an den Kassen des Staatstheaters registrieren lassen und erhalten eine Kundennummer. Ab zwei Tage vor der gewünschten Vorstellung kann eine Freikarte gegen Vorlage von Semesterticket, Personalausweis und Kundennummer persönlich an der Theaterkasse abgeholt werden.

Unabhängig von der Flatrate erhalten Studierende (auch anderer Universitäten) wenn sie unter 30 Jahre alt sind weiterhin vergünstigte Theatertickets. Diese kosten an Wochentagen 8, am Wochenende (Fr + Sa) 9,90 Euro und bei Premieren 11,50 Euro (ab Preiskategorie C).


Die Flatrate gilt für die Repertoirevorstellungen (nicht Premieren) des Schauspiel Hannover, Registrierung ab sofort unter Tel. 0511 9999 1111 und an den Kassen der Staatstheater.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha