OPER - SCHAUSPIEL - TANZ


Ballettabend „3 Generationen“ / ab 22. Februar im Operhaus

Neukreation von Marco Goeke ist inspiriert von Hannover

Die nächste Premiere des Staatsballett Hannover ist „3 Generationen“ im Februar wird Choreografien von Hans van Manen, Emrecan Tanis und Marco Goecke (Foto Staatstheater) auf die Bühne des Opernhauses bringen. Hannovers Ballettdirektor wird für den Abend eine Neukreation zur Uraufführung bringen.
 
"Meinem Dackel Gustav und mir gefällt es in Hannover. Paris hat er gehasst, hier ist eine Energie auf der Straße, dass es einen umhaut. Die Eilenriede, wunderbar. Mein erster Gang durch das Opernhaus Hannover – das war gleichzeitig überwältigend und auch beängstigend. Aber ich habe schnell verstanden, dass Hannover eine Tanzstadt ist – dazu will ich meinen Beitrag leisten und habe eine exklusive Überraschungim Februar 2020 in petto. Inspiriert von meinen ersten Monaten in Hannover, werde ich eine Neukreation in unserem dreiteiligen Ballettabend ‚3 Generationen‘ zur Uraufführung bringen. Ich habe immer gesagt, wenn ich mir eine Visitenkarte entwerfen müsste, würde ich erst darunter schreiben Choreograf, dann erst Ballettdirektor. Das Choreografieren fehlt mir im Moment. Das eigentliche Ziel ist ja, etwas mit Tänzer*innen aufzubauen, etwas gemeinsam zu kreieren, dass sich in meiner Arbeit wiederspiegelt. Ich bin mit meiner Tanzsprache auf der Suche nach Versöhnung und freue mich sehr auf meine erste Choreografie für Hannover," so Marco Goecke.
3 Generationen: Concertante, Neu Kreation und Rise
Premiere: 22. Februar, weitere Termine 16., 19., 22.02.,04., 05.,13., 18., 22. und 31.03.,10., 7.04., 04.06., 09. und 30.06.


Große griechische Sage im Schauspielhaus Hannover

„Iphigenie“ von Euripides und Goethe - eine gelungene Umsetzung 

Kein Wind, keine Welle, das Meer liegt bewegungslos im Hafen von Aulis und hält die griechische Flotte am Ufer zurück. Diese wünscht sich nichts sehnlicher als endlich gen Troja zu segeln, die Stadt niederzubrennen und die entführte Helena heimzubringen. Doch Göttin Artemis verweigert ihren Segen und will ein Menschenopfer: das Kind des Heerführers Agamemnon, Iphigenie.
Demütigung und Schande wollen die Griechen tilgen durch den Sieg über die Barbaren, doch dieser wird auf dem Tod eines Kindes fußen. Der unbedingte Siegeswille regiert, also soll Iphigenie sterben, denn sie gehört dem Volk.

Iphigenie © Katrin Ribbe

Doch im zweiten Akt wendet sich das Blatt:  Iphigenie wird von der Göttin Artemis vom Opferaltar gerettet und lebt weit entfernt bei den Taurern,  und dort krempelt sie die Gesellschaft um. Wärme, Vernunft, Humanität scheinen möglich, bis es einmal mehr darum geht, wem Iphigenie gehört. Das Spiel beginnt erneut.

Anne Lenk, die auch die Regie führt, hat die Geschichte inszeniert und eine Verbindung von Euripides’ und Goethes Texten in dem zweiteiligen Stück geschaffen. Da fliegen uns die Namen der griechischen Helden und Anti-Helden nur so um die Ohren!

Dramaturgie Nora Khuon, Musik Kostia Rapoport, es spielen Sebastian Jakob Doppelbauer, Philippe Goos, Torben Kessler, Miriam Martens, Sabine Orléans, Seyneb Saleh und die Kinder Antonia Anders/Pippa-Ashton Ribbe, Cleo Fry/Mia Odlozinski, Noah Karaya/Christina Tihomirov. Viel Beifall für Inszenierung, Bühne, Regie und besonders für die Darsteller!

Und ein Kompliment für das unverzichtbare Programmheft. 

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

10.12.2019 


Das bringt so richtig Schwung in die Bude: "Märchen im Grand Hotel" im Opernhaus

Gute Beinarbeit, viel Swing und Schwung - da wippten die Beine des Publikums mit

Paul Abrahams Operette "Märchen im Grand Hotel" hatte in der Staatsoper Hannover Premiere - und wenn Märchen und Oper zusammentreffen, wird es einfach nur märchenhaft! Das zeigte sich auch beim minutenlangen Applaus, Getrampel und Gejohle.

Gelungen: mit dem steppenden Zimmerkellner, den wunderbar wirbelnden Zimmermädchen und den ordensgeschmückten Operettenchören wurde ein überaus spielfreudiger Cast sowie Dance-Breaks, die es in sich hatten - ein bisschen gegen die Operetten-Tradition - in die Singstück eingebunden wurden. Alles war fröhlich und bunt (Regie: Stefan Huber) und mit einer mitreißenden Spielfreude auf die Bretter gebracht.

 Obwohl die Geschichte kompliziert ist, stimmt alles. Und das geht so: Kellner, eigentlich Millionär, liebt verarmte Prinzessin. Und was macht der liebende Papa? Er kauft einen Fürstentitel - und wie es kommen muss - Happy End.

Witz und Spielfreude zeigen hier Heiter bis Wolkig und lassen Verwicklungen zu.

Noch-Zimmerkellner Albert schmachtet seine geliebte Prinzessin an.

Da taucht die Tochter  (Valentina Inzko Fink) eines Filmmoguls (Ansgar Schäfer) auf, die Adels-Romanze als Blockbuster verfilmen will, um Daddy zu zeigen, was sie so drauf hat.

Die Technik darf beim Bühnenbild (Timo Dentier, Okarina Peter) so richtig klotzen. Das hat was und übertrifft bei Weitem an Aufwand das Gewohnte. Die dreiteilige Drehbühne mit „Spielfeldern“ dominiert die Szene.

Mal sind wir in der Hotellobby, oder im Badezimmer der Prinzessin, mal im Schlafgemach, mal im Salon oder in der Bar und in Hollywood.  Und jeder Suite hat  dann mittig auch noch eine Drehtür für immer wieder überraschende Auftritte.

Der Schluss der Veranstaltung hat einen leicht melancholischen Twist - auch musikalisch. Sie kommen eigentlich nicht zusammen, weil sie ja adlig ist und er nicht. Und es muss jetzt endlich ein Happy End her. Das wird von Glitzer-Cowboys und Glimmer-Ukulelen dann begleitet.

Und noch ein Happy-End: Der fesche Wiener Großfürst Paul, ein begnadeter Tänzer, bekommt die kesse, energische Produzententochter Marylou.

Den Zimmerkellner Albert, der sich am Ende in den Herzog von Muränien verwandelt und wie im Märchen üblich, doch die Prinzessin heiraten darf,  spielt Alexander von Hugo, der ist musicalerfahren und verfügt über ungemein elastische Beine. Mit seinen Stepp-Einlagen fährt er sich reichlich Szenenapplaus ein. Für die Titelpartie der Infantin braucht man so richtig Opernstimme und die hat Mercedes Arcuri.

Spritzig und gekonnt wieder das Staatsopernorchester, das unter der Leitung von Carlos Vazques kurzum zur Bigband wird und dem samtigen Paul-Abraham-Sound einen kräftigen Schuss Jazz verleiht.

Ein wunderbarer und unterhaltsamer Operettenabend im Opernhaus.

 Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche/Fotos Ralf Mohr

18.11.2019  


Vom Feinsten

Ein fantastischer Auftakt der Ballettsaison im Opernhaus Hannover

Dreiteiliger Ballettabend „Beginning“ reißt die Besucher der Staatsoper aus ihren Sitzen.

Das war schon ein furioser Auftakt des  Ballettabends "Beginning" mit "Prélude", das Phänomene der Zeit erklärt.

Der französische Choreograph Mehdi Walerski präsentiert ein großes Ensemble auf seiner subtilen Reise durch verschiedene Aggregatzustände. Zur leichten und auch fulminanten Interpretation der Musik von Lera Auerbach bestachen die Wechselbeziehungen zwischen Individuum und Gruppe. Die wechselnden raffinierten Lichtstimmungen definierten die gesamte Bühnensituation immer wieder neu. Der Tanz blieb im Rahmen dessen, was als ästhetisch empfunden wird. Und das facettenreiche Pas de deux von Verónica Segovia Torres und Adam Russel-Jones bildete den Höhepunkt.

Ein Element des dreiteiligen Ballettabends ist die Choreographie "Prélude" des Franzosen Medhi Walerski. © Andreas J. Etter

Dann ging es so richtig zur Sache: Die Power-Fraktion war jetzt am Zug. Der Grieche Andonis Foniadakis hat sich in seinem Stück „Kosmos“ Gedanken zu Forderungen im modernen Leben gemacht. Die hier mittanzen, dürfen nicht zart besaitet sein. So schnell konnte man gar nicht folgen, wie die Gliedmaßen, die Haare, flogen und die Mittänzer wurden schon mal über die wunderbar ausgeleuchtete Bühne geschleift.

Bestechend war die Präzision in den Gruppenszenen. Wunderschön auch der poetische Schluss, der dann auch einen dringend benötigten Bruch in das Geschehen brachte. Das Ensemble entrückte zu einem Glitzerwesen.

Natürlich durfte eine Choreografie des neuen Ballett-Chefs nicht fehlen. Marco Goeckes „Thin Skin“ wurde mit all diesen merkwürdigen Eigenarten beendet. Die Figuren bei Goecke wirken wie getrieben, als würden sie getanzt. „Thin Skin“  war sehr solistisch betont. Es gab wenig Berührungen. Goecke setzte elegante und verspielte Momente  und auf interessante Kontraste.

Das Publikum war von dem Dreiteiligen-Ballettabend begeistert. Zehnminütige Ovationen waren der Lohn. Und die Erwartung und Vorfreude auf den nächsten Goecke-Ballettabend „Nijinski“ mit der Musik u.a. von Frédéric Chopin, Claude Debussy. Mit diesem abendfüllenden Ballett fand Goecke national und international viel Beachtung (Premiere 13.12.2019).

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Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche


Karten für das zusätzliche 7. NDR Klassik Open Air

Vorverkauf für zweite Aufführung läuft

Es gibt wieder Karten für das 7. NDR Klassik Open Air im Maschpark hinter dem Neuen Rathaus. Karten für die zweite Aufführung von „Carmen“, die am Donnerstag, 16. Juli 2020 stattfindet, sind jetzt im Vorverkauf erhältlich.
Im Juli waren die Tickets für die Aufführung am 18. Juli 2020 bereits in kürzester Zeit vergriffen, die Vorverkaufsstellen wurden von einer riesigen Nachfrage nach Karten für das NDR Klassik Open Air „Carmen“ überrannt. Aufgrund dieser enormen Nachfrage haben sich NDR und Hannover Concerts zu einer weiteren Aufführung entschlossen.

Zum 7. NDR Klassik Open Air kommt mit „Carmen“ die beliebteste Oper der Welt nach Hannover - aufgeführt von der NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von Dirigent Eivind Gulberg Jensen, der 2014 mit Tosca die „Oper für alle“ mit aus der Taufe hob.

NDR Klassik Open Air am Neuen Rathaus in Hannover (c) NDR, Michael Uphoff 

Und mit international gefeierten Solisten: Bryan Hymel in der Rolle des Don José, Gaëlle Arquez als Carmen, Guanqun Yu als Micaëla und Luca Pisaroni als Escamillo. Ania Vegry (Fraquita), Oleg Tsibulko (Zuniga) und Astrid Nordstad (Mercédès) komplettieren die hochkarätige Besetzung.

Wie auch in den vergangenen Jahren werden die Aufführungen am 16. und 18. Juli 2020 ab 20.30 Uhr live in den Maschpark übertragen.
Tickets sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im NDR Ticketshop erhältlich. Veranstalter ist Hannover Concerts.

Eivind Gullberg Jensen (c) Mat Hennek, Bryan Hymel (c) Dario Acosta, Guanqun Yu (c) Jiyang Chen, Luca Pisaroni (c) Jiyang Chen, Gaelle Arquez (c) Julien Benhamou.

NDR/Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche


Dauerbrenner "Tosca" in Hannovers Oper findet Zustimmung und Ablehnung

Russischer Regisseur Vasily Barkhatov sorgt für einen umstrittenen Premieren-Abend.

Bravo-Rufe überwiegen - Buhs waren nicht zu überhören.

Endlich ist der Bösewicht Scarpia mal Hauptperson in das entsprechende Licht wurde seine Rolle gerückt. Seth Carico singt und spielt den geilen und zügellosen Kirchenmann mit einer ausdrucksstarken Bühnenpräsenz.

Die Oper "Tosca" kassierte in der Staatsoper Hannover teils heftige Buhs - für eine Puccini Oper absolut ungewöhnlich. Denn dieser Abend sollte etwas anders verlaufen, als erwartet: Es gab so richtig grelle Chorszenen, eine super tolle Musik und fantastische Partien für die Sänger.

Eine große, niemals erfüllbare Sehnsucht nach der vollkommenen Liebe: Szene aus der neuen „Tosca“ an der Staatsoper Hannover. Quelle: Monika Forster

Das liegt an der Inszenierung – der junge russische Regisseur Vasily Barkhatov stellt ungewöhnlich grell den Schurken Scarpia knallhart in den Mittelpunkt des Geschehens. Das ist eine interessante Interpretation!                                                                             

Hier wird die Geschichte eines Kindes (Scarpia) erzählt, dass über Jahre von einem Priester missbraucht wurde. Die erfahrene frühkindliche Gewalt macht aus einem Kind hier letztendlich einen sexbessenen und bösen Menschen. Bei Scarpia zählt nicht der Mensch, hier zählt nur der Trieb - er vergewaltigt und erniedrigt.

Und er will aus dem Leben scheiden, mit einem für ihn typischen bösartigen Suizid. Er bringt Tosca durch eine raffinierte Intrige dazu, ihn zu erdolchen. Das erzählt er ihr später über eine DVD.  Passt gut: Missbrauch in der Kirche, #Me Too und ganz viel Psychokram.

Das alles zu erklären, geht nur mit einigen ungewöhnlichen Wegen. Es werden vom Regisseur stumme Texte neben die Musik projiziert, in denen Scarpia dann auch seine Untaten erklärt.

Vasily Barkhatov ist auch einiges gelungen - im ersten Akt zum Beispiel – in dem Cavaradossi kein Maler sondern ein Herrgottsschnitzer darstellt. In keiner Inszenierung hat man die Rolle des Cacaradossi  so gesehen.

Leider dreht es dann einfach ab, weil die Schere zwischen  der Erzählung des Regisseurs und der eigentlichen  Opernhandlung weit auseinander klaffen. Und wenn statt des eigentlich erschossenen  Cavaradossi Scarpia auf dem Opernboden liegt, Tosca ihn aber als Mario Caravadossi ansingt - und einfach nicht stirbt, und wie Caravadossi auch nicht stirbt, denn der sitzt im letzten Bild traurig auf der Bühne und betrachtet seine Gottesschnitzereien.

Der Opernabend lohnt, und das ist genau das, was ihn letztendlich auch so fragwürdig macht.

Scarpia steht im Zentrum - den der Bariton Seth Carico mit einer wunderbaren und wilden Hingebung singt. Das ist Verführung pur! Hier und da kann der Betrachter nachvollziehen, warum das weibliche Geschlecht Scarpia verfallen, vielleicht sogar auch ohne Gewaltanwendung.

Die Stimmen sind in der Oper Tosca richtig große Klasse und stammen aus dem Geist der Musik. Caravadossi (gesungen von Rodrigo Porras Garulo) hat es von der Anlage seiner Rolle schon schwerer. Es ist kaum vorstellbar, (auch stimmlich), warum Tosca ausgerechnet ihn liebt. Und die "Vittoria"-Rufe sowie die "glitzernden Sterne" erscheinen eher zuverlässig.

Liene Kinca als Tosca spielt ihre Rolle leicht überschritten. Unangestrengt,  berührend aber nicht so wirklich und das soll es auch nicht, das passt einfach in die Inszenierung. An diesem Abend hat sich das Opern-Orchester unter der Leitung von Kevin John Edusei richtig übertroffen und war ein großer Aktivposten an diesem wundervollen Opernabend. Und die Begleitung der Sänger ist durchweg positiv überlegen.

Wenn man sich dennoch gut auf den Abend vorbereitet hat, kann dieser äußerst spannend sein. Das war einfach Puccini-Power: Musikalisch einfach toll. Der Opernabend lohnt sich.

Weitere Aufführungen am 27. März und 10. Mai 2020.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 21.10.2019


La Traviata zum mit nach Hause nehmen

Die gefeierte Opernaufführung jetzt auf DVD

Nach sieben Jahren mit 50 ausverkauften Vorstellungen an der hannoverschen Staatsoper musste das Publikum im Januar 2019 Abschied von Benedikt von Peters „La Traviata“-Inszenierung nehmen.

Doch jetzt gibt es die beliebte und gefeierte Inszenierung mit Nicole Chevalier als Violetta Valerie auf DVD für zu Hause. Ab sofort können Zuschauer*innen und die herzzerreißende Soloshow hautnah und so oft wie sie wollen miterleben. Der Mitschnitt mit fünf Kameras entstand anlässlich der Generalprobe der Wiederaufnahme im Dezember 2018.
 
Die DVD ist für 19,90 Euro an der Kasse im Opernhaus und im Opernshop erhältlich.

Staatsoper/Ute Micha/Sigrid Lappe

Nicole Chevalier als begeisternde Violetta. Foto Thomas Jauck

Veröffentlicht 24.06.2019